Nicht nur Amerika, sondern auch Aaron braucht mal wieder ein bisschen Change.
Vom C.S.I. New Life Centre ist mal wieder was zu melden. Zum einen sind die Schneider gerade am Abarbeiten der Bestellungen fuer andere Hostels und Schulen. In der Ferienzeit der Schulen fallen auch viele Reparaturarbeiten an, die die Tischler in Bangalore erledigen. Die restlichen Kinder waren die letzten zwei Wochen in der VBS, Vacation Bible School, einer Kinderbibelwoche.
Unter diesen ungewoehnlichen Umständen musste ich mir immer selbst Aufgaben stellen und selbst im Office viel kaum noch arbeit an. Ausserdem tut die Hitze ihr uebriges zur Arbeitsmoral. Obwohl KGF ein noch sehr ertraegliches Klima erfahert, habe ich mittags weniger Hunger und neige zur Siesta.
Fuer mich aendert sich die Situation zum 1.6., da mein Gastvater aus dem Projekt versetzt wird. Der Traeger des Projekts, die CSI Kirche, rotiert alle Wardens in den Hostels, sodass mein Gastvater in ein entlegenes Dorf an ein Hostel mit Schule transferiert wird. Die Gefahr seines Transfers bestand schon die letzten zwei Jahre, und die Entscheidung haette im Februar fallen sollen. Ich muss mit ihm das Projekt verlassen, da er der Erfinder des Voluntaers im Projekt ist. Die Sponsorenorganisation ist nach einem vorhergegangen Zwischenfall strikt gegen einen Freiwilligen. Der Nachfolgewarden sei auf jeden Fall ein schlechter Mensch.
Diese Sichtweise wurde mir schon vor der Entscheidung zugetragen und ein Wechsel zu Felix’ Schule Chickballapur in Aussicht gestellt. So wird es nun auch kommen. Die aelteren Jungs, die gerade in Bangalore arbeiten, werden in drei Wochen feierlich ihre Graduation feiern und das Centre verlassen. Sie bekommen ihre Werkzeuge als Startkapital und werden in der freien Welt richtig arbeiten. Ich muss mich dann auch von den Jungs verabschieden, denen ich versucht habe ueber 10 Monate meine Weltsicht zu vermitteln. Mit Englisch und seiner Richtigkeit waren die Jungs nicht so sehr zu beeindrucken. Viel mehr mit den Inhalten und meinen komischen Werten und Fragen. – ‘You having sun in your country?’ – ‘My country, teacher beating children, jail going.’ – ‘Why …?’
Das Unterrichten ist immer weniger geworden und durch Beziehungen ersetzt worden. Ich wurde immer mehr zu dem, wie sie mich schon von anfang nannten: brother. Aber dieser Abschied haette sowieso irgendwann kommen muessen. Meine Kinder erinnern mich staendig daran, dass es ein grosses Geheule geben wird, wie jedes Mal, wenn ein Volunteer abtritt.
Mit Indern in KGF fiel es mir schwierig mich anzufreunden. Das lag vielleicht auch daran, dass ich jeden Tag nur 3 Stunden freien Ausgang hatte und gewissen Verpflichtungen darin nachgehen wollte. Aber mit meinen Jungs konnte ich viele Erfahrungen teilen und wuerde manche von ihnen wirklich als Freunde bezeichnen. (Ich bin ja sowieso fuer alle der best friend. – Wenn Felix da ist, er auch.
) Sie versuchten mich kennenzulernen, so wie ich sie zu ergruenden versuchte. Spannende Angelegenheit.
Ein Wechsel nach C’pur ist wohl die sinnvollste der Alternativen. Felix meinte, er war extreme schnell eingelebt und im Alltag der Schule, sodass ich mich auf einen geregelten Tagesablauf und im akademischen Sinne lerngierigere Kinder freue. Vielleicht kann ich Felix nacheifern, und neben ihn ins ‘indische Pantheon’ aufsteigen.
Es wird auf jeden Fall eine schoene Zeit. Ich werde es geniessen: Indien und sich gerade mit Mangos satt zu essen.
Ich nehme, was kommt; was anderes bleibt mir auch nicht uebrig.
24`C, regnerisch, KGF